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Schuhe und Herrenanzüge gibt es im Tresor. Geschäftsmann Parviz Naseri schließt die Tür nur, wenn keine Kunden drin sind. 

Foto: Joachim Storch Ein Geschäftsmann legt einen Sicherheitsraum im Keller seines Outlet Centers frei. Er nutzt ihn als Gag für seine Kunden und bietet dort Herrenanzüge an.

Parviz Naseri staunt nicht schlecht, als er bei der Sanierung seines Designer Outlet Centers in der Frankfurter Straße 55 auf den Tresor stößt. Die dunkelgrüne, 25 Zentimeter dicke Metalltür im Keller scheint tonnenschwer zu sein. Naseri kann sie nur unter Aufwendung seiner ganzen Kräfte bewegen. Das Verriegelungsrad sieht unversehrt aus; sechs Metallbolzen auf jeder Seite demonstrieren, wie die Tür im Rahmen verschlossen wird.

Das war im Frühjahr dieses Jahres. Mittlerweile hat der Geschäftsmann den einige Quadratmeter großen Tresor von Schimmel und Dreck befreit und für Kunden begehbar gemacht. Heute ist er der Gag seines Ladens; er bietet dort Herrenanzüge an. An der Tür-Innenseite klebt ein Merkblatt über die Behandlung von Blindgängern in den Nachkriegsjahren, unterzeichnet vom Luftschutzleiter und Frankfurter Polizeipräsidenten. Bilder und Blumen zieren Keller samt Tresor heute und bilden einen charmanten Kontrast zur Funktionalität der Räumlichkeit.

Noch überraschender war die Entdeckung eines Bunkers im selben Kellerraum. Die Tür war hinter einer Holzwand versteckt. „Ich habe die Wände abgeklopft und gehört, dass es dahinter einen Hohlraum gibt“, berichtet Naseri. Die schwere, zu einem L-förmigen Luftschutzraum führende Sicherheitstür bleibt allerdings für Kunden verschlossen. Der Luftschutzraum wurde wahrscheinlich in den Vorkriegsjahren nachträglich in den Keller eingebaut. Hausbesitzer wurden damals zur Einrichtung der Schutzräume aufgefordert und erhielten dafür spezielle Kredite.

Bis heute Standort für Banken

Der Tresor ist möglicherweise mit dem Haus um 1905 entstanden. Die Gebrüder Hasenbach ließen das Wohn- und Geschäftshaus mit neobarocker Werksteinfassade an der Ecke zur Kaiserstraße errichten, damals eine renommierte Gegend. An gleicher Stelle hatte zuvor einer der ältesten und angesehensten Gasthöfe mit Namen Stadt Kassel gestanden. Er war zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom fürstlich-isenburgischen Hofbeamten Wolf Breidenbach errichtet worden. Der Neubau beherbergte von Beginn an Geldhäuser.

Im Adressbuch von 1913 ist dort eine Geschäftsstelle der Mitteldeutschen Creditbank erwähnt; später waren Ladengeschäfte untergebracht. Im benachbarten, zum gleichen Eckhaus gehörenden Laden residierten unterschiedliche Banken; in den 60er Jahren die Dresdner Bank. Die Badische Beamten Bank verließ die Räume erst vor Kurzem und zog in den Stadthof. Nun stehen die Räume leer.